Von Platten-Proleten und Nespresso-Narzisten

für P-Touch* und Valmano*

 

In Berlin leben derzeit mehr als 3,5 Millionen Menschen.  Davon sind 54,3 Prozent Single. Das heißt, jeder zweite Berliner, dem man begegnet, ist gerade nicht in einer festen Beziehung. Da sollte es doch eigentlich keinen Grund geben, noch allein zu sein, oder?

Naja. Das Problem ist, auch wenn wir hier in Berlin mehr als 1,9 Millionen mehr oder weniger paarungswillige Individuen haben, trifft man früher oder später immer wieder auf die gleichen Charakterzüge. Daher habe ich mir mal drei repräsentative Singlemänner-Typen ausgedacht, sie sicherlich schon jede Frau mal gedatet hat:

Nummer Eins: Der Platten-Prolet:

Er kommt gebürtig aus Berlin und legt viel Wert auf sein Äußeres. Wenn er nicht schon längst Fitnessökonomie studiert, ist er Stammgast in der Mukkibude seines Vertrauens. Er umgibt sich gerne mit Dingen, die seine Protzigkeit noch unterstreichen. Einen 3er BMW (geleast von Mutti), fette Uhren und alles, was es gerade bei G-Star zu kaufen gibt.

Toll!

Ein schöner Mensch ist er, selbstbewusst. Leider ist sein Ego das Einzige, worüber er sich definieren kann. Denn sonst hat er nicht viel.

Braucht er eigentlich auch nicht. Er lebt ja schließlich in Berlin, in einer Stadt, in der es so einfach wie nirgends sonst ist, sich zu profilieren, obwohl man nichts auf die Reihe kriegt. Berlin ist die Stadt der Wichtigtuer. Okay, das sind Hamburg und München auch, aber anders als in Berlin, haben die Proleten dort wenigstens WIRKLICH Geld.

Und sie wohnen nicht mehr bei Mutti!

Egal, Attitüde ist alles! Und wenn man eben 14 Semester Fitnessökonomie studiert, ohne seinen Abschluss zu machen, macht nichts! Drüber reden kann man super.

Auch, wenn der Platten-Prolet so tut, als hätte er bereits alles gesehen und erlebt, diese Typen sind einfach gestrickt. Den eigenen Horizont zu erweitern, kann man von ihm nicht erwarten – er hatte nie einen! Alles Denken und Handeln findet in Berlin statt. Hier stehen ihm die Türen der angesagtesten Clubs offen. Aber nur, weil er dort als Türsteher oder Barkeeper jobbt.

Lieber Platten-Prolet, genauso einfach gebaut wie die Plattenbausiedlung aus der du kommst, bist du selbst. Das ist nicht schlimm. Wenn du es dir eingestehen würdest und nicht nach außen immer so tun würdest, als hätte die Welt auf so einen Vollversager wie dich gewartet. Die Frau an deiner Seite muss entweder genauso strunzdumm wie du sein, oder sich von dir klein halten lassen. Wer hat da schon Bock drauf? Du bist ersetzbar mein Lieber! Irgendwo im Großstadtdschungel gibt es immer einen Gockel mit ner fetteren Karre und größeren Brustmuskeln. Und alles, was du dann noch hast, sind deine Attitüde und deine Mutti.

Nummer Zwei: Der Nespresso-Narzisst:

Anders als der Plattenbau-Prolet, weiß er ganz genau, was alles dazu gehört, um es in Berlin zu etwas zu bringen. Er kommt nicht von hier. Er hat sich durchgebissen, sich hochgekämpft. Sich entwickelt und verändert. Jetzt ist er erfolgreich und seit neuestem lässt er sich diesen smarten Bart wachsen!

Er genießt sein Ansehen.

Seine Bestätigung holt er sich gerne überall her, wo er sie nur kriegen kann. Auch, wenn man dafür öfter in den gleichen Teichen fischen muss. Geschmacklos? Nicht doch! Der tut doch nichts, der will nur spielen!

Wenn da nur nicht diese Unzufriedenheit wäre! Dieser Durst auf etwas Besseres. Vielleicht doch noch mal in eine bessere, größere, beeindruckendere Wohnung umziehen? Vielleicht doch nochmal weiter weg reisen, interessantere Leute kennen lernen und vielleicht doch nochmal einen Flirt mit der neuen Kollegin starten, nur um zu gucken, was geht?

Der Nespresso-Narzisst ist ständig auf Optimierung und Abwechslung aus. Aber eben auch niemals zufrieden und deswegen unglücklich. Jede Verlobung, jede Geburt in seinem Freundeskreis ist ihm ein Schlag in die Magengegend. Sie verstärken seine Komplexe. Seine eigenen Unzulänglichkeiten lässt er dabei an anderen aus. Er lässt sie spüren, dass alles, was sie haben und sind, nicht gut genug ist.

Kurz – er ist ein selbstgerechtes Arschloch!

Lieber Nespresso-Narzisst, genauso wie Nespresso-Kaffee, bist du etwas ganz Besonderes.

Nicht!

Du bist ein ganz normaler Mensch, wie jeder andere auch, mit all deinen Ecken und Kanten. Auch wenn du mittlerweile seit 14 Jahren in Berlin lebst, juckt es dich sehr wohl, wenn deine Jugendliebe heiratet und Kinder kriegt. Denn das wünschst du dir auch. Du denkst, du bist eine optimierte Version von dir selbst, aber du bist immer noch DU! Nespresso ist in der Quintessenz eben auch nur Kaffee. Und es gibt Momente im Leben, in denen Frauen einen einfach gebrühten, unkomplizierten Filterkaffee bevorzugen. Oder hast du bei einem romantischen Campingausflug schon mal einen Nespresso-Automaten gesehen?

Komm runter von deinem hohen Ross, wasch dir das viele Gel aus deinen Haaren und sieh in den Spiegel! Was siehst du? Dinge, die du nicht magst? Andere lieben genau das an dir!

Nummer Drei: Der Nerd:

Neben Dogmen wie Bart, iPhone und Storchenbeinen ist dieses Menschenkind natürlich zugezogen. Vermögende Eltern, die eine Altbau-Wohnung in Berlin Friedrichshain oder Prezlberg bezahlen, kommen schließlich nicht aus Berlin, sondern aus Nürnberg. Die haben das Kapital. Er nicht. Betont er immer wieder. Weswegen das Leben ja auch manchmal so furchtbar hart sein kann, wenn man nach der Uni jobben gehen muss um Kohle für hippe Klamotten, Echtlederschuhe und Organic Food zu haben. Dafür fährt er sogar extra Fahrrad, nicht BVG! Mutti ist stolz.

Immer knapp bei Kasse zu sein könnte aber auch eine Folge vom Kiffen und Teile Schmeißen sein. Nur mal so. Macht er natürlich nur in lockerer Runde und wenn die Stimmung passt.

Also immer.

Diese Typen haben ihre starken Momente in abgefuckten Technoschuppen. Dort wo Ringelpietz mit Anfassen herrscht, kommt es eben nicht darauf an, ob man irgendwann die Fabrik der Eltern übernimmt, sondern eher darauf, wie gut man drauf ist…und wie lange man wach bleiben kann.

Lieber Nerd, anders, als Platten-Prolet und Nespresso-Narzisst, hast du menschlich vieles zu bieten. Du bist ein echter Kumpeltyp, mit dir kann man sich stundenlang unterhalten. ABER als Frau muss ich dir ehrlich sagen, dass ein ungepflegter Vollbart und dieser penetrant süßliche Geruch nach abgefackelten Komposthaufen nichts sind, was meine niederen Triebe reizt – sorry, Bro! Und auch dir werden Mami und Papi irgendwann den Geldhahn zudrehen, wenn sie merken, wofür die ganze Kohle drauf geht. Und dann eine von dir gut vorbereitete Diskussion über das Pro und Nicht-Contra von Marihuana an die Backe geklebt zu bekommen ist nicht hilfreich, sondern nervig!

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