{"id":1660,"date":"2023-06-04T13:05:41","date_gmt":"2023-06-04T13:05:41","guid":{"rendered":"http:\/\/eene-wie-keene.de\/?p=1660"},"modified":"2023-06-05T10:30:51","modified_gmt":"2023-06-05T10:30:51","slug":"recht-auf-krankheit-oder-horst-hat-keine-lust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eene-wie-keene.de\/?p=1660","title":{"rendered":"Recht auf Krankheit &#8211;  Oder: Horst hat keine Lust"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">f\u00fcr Dr. A. Roznowski,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Dr. M. L\u00f6\u00dfner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">und f\u00fcr Kathrin D.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><br>Es ist 7:30 Uhr am Morgen. Mein Wecker klingelt. Ich bin l\u00e4ngst wach. Denn das steinharte Nackenschonerkissen und die noch h\u00e4rtere, wasserdichte Pritsche &#8211; \u00e4h, Matratze rauben mir jeden Schlaf. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Vor der T\u00fcr meines Patientenzimmers ist bereits reger Betrieb. Ich h\u00f6re Rollatoren an Ecken sto\u00dfen und Infusionsst\u00e4nder klappern, Zimmerschl\u00fcssel klimpern und T\u00fcren knallen. Ab und zu erschallt die Stimme der Oberschwester durch die Lautsprecher. Irgendjemand soll sich bei der Stationsleitstelle melden. <br>Ich gottseidank nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Meinen Anschiss habe ich mir bereits gestern Abend abgeholt. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin n\u00e4mlich &#8211; ich Rebellin &#8211; unentschuldigt nicht zum Abendessen erschienen. Dass ich um 17:30 Uhr einfach noch nicht auf eine \u201eAbend\u201c-Mahlzeit eingestellt bin (besonders wenn die Sonne noch prall \u00fcber dem See scheint), spielt keine Rolle. Es g\u00e4be Regeln in dieser Klinik, an die ich mich zu halten h\u00e4tte, oder ich k\u00f6nne nach Hause fahren und mein eigenes Ding machen. Man h\u00e4tte sich Sorgen gemacht, mich bereits gesucht und \u00fcberhaupt: Das hier sei kein Wellnessurlaub. Der Steuerzahler k\u00e4me wohl kaum f\u00fcr meine Sommerferien auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts meines karamellisierten Hauttons und eines leuchtenden Sonnenbrands auf meiner Stirn blieb mir jedes Argument im Hals stecken. Ich gelobte Besserung und trollte mich auf mein Zimmer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin: Hausarrest gab es keinen. Das sieht der Kostentr\u00e4ger wohl nicht vor. Den Rest des Abends verbrachte ich mit Autogenen Training um meinen Frust zu regulieren und rief meine Liebsten an. Heimweh kickt ganz sch\u00f6n.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, dass hier ist wirklich kein Wellness-Urlaub. Eine medizinische Rehabilitation ist keine Erholungskur. Man soll wieder fit werden. Dazu geh\u00f6ren neben einem straffen Trainingsplan auch regelm\u00e4\u00dfige Mahlzeiten. Auch wenn, oder gerade weil sie meinem bisherigen Tagesrhythmus widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also stehe ich am n\u00e4chsten morgen p\u00fcnktlich um acht auf der Matte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Funktionsgymnastik. B\u00e4h!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00e4lle werfen und Hampelm\u00e4nner springen? Es gibt doch echt sinnvolleres. Schlafen zum Beispiel! Egal. Gemacht wird, was der Plan vorsieht und daher gehts f\u00fcr mich zun\u00e4chst zum Sportraum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie jedesmal schl\u00e4gt mir beim Betreten ein widerlicher Geruchs-Mischmasch aus ungewaschener Kleidung, pudrigen Parf\u00fcm und bei\u00dfend s\u00fc\u00dflichen Raucherschwei\u00df entgegen. Mir wird schlecht. Ich f\u00fchle mich automatisch schw\u00e4cher, als ich eigentlich bin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich laufe an der Reihe wartender Rentner entlang. Einige erheben sich prompt, als sie mich sehen, andere halten mir ihre Blutdruckliste entgegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zum ersten Mal werde ich f\u00fcr die Therapeutin gehalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das liegt zum einen daran, dass ich h\u00f6flich \u201eguten Tag\u201c sage und mit federnden Schritten Lichtschalter und Fenster ansteuere.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und zum anderen daran, dass ich jung und fit aussehe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leicht irritiert erkennen mich die lieben Alten als Patientin. Automatisch wandert der Blick an mir herunter. Als w\u00fcrden sie scannen wollen, wo an meinem K\u00f6rper sich denn die frische Narbe, das Stoma oder der Katheter befinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Spoiler: Nichts des oben genannten kann ich vorweisen. Zum Gl\u00fcck!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe diese Neugier meinen Mitpatienten nach. Befinden wir uns doch in einer Reha-Klinik f\u00fcr Innere Medizin und viele der hier Behandelten kommen geradewegs aus dem Krankenhaus. Herzinfarkt, Lungenembolie, Krebs.<\/p>\n\n\n\n<p>Und mittendrin: Ich &#8211; die scheinbar gesunde, viel zu junge Springinsfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>Was werde ich wohl haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz abgesehen davon, dass es eigentlich niemanden etwas angeht, m\u00f6chte ich Wildfremden nicht erz\u00e4hlen m\u00fcssen, wie ich dank fr\u00fchzeitiger Diagnose und minimalinvasiver Chirurgie von einem k\u00fcnstlichen Darmausgang verschont geblieben bin. Ich l\u00f6se die Situation also nicht auf. Gespr\u00e4che \u00fcber Krankheiten sind ohnehin allgegenw\u00e4rtig und mir zutiefst zuwider.<\/p>\n\n\n\n<p>Lieber nutze ich die Chance, die mir gegeben wurde, um bestm\u00f6glich wieder leistungsstark zu werden. Ich bin hoch motiviert beim Training, zeige Aufgeschlossenheit allen alternativen Heilungsans\u00e4tzen gegen\u00fcber und esse, was nach einer (sehr ern\u00fcchternden) Ern\u00e4hrungsschulung \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Waage zeigt Erfolge. Und der Spiegel erst recht!<\/p>\n\n\n\n<p>Na l\u00e4uft doch!<\/p>\n\n\n\n<p>Denkste!<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4llt schwer, sich an seinen Fortschritten zu erfreuen, wenn man subtil ein schlechtes Gewissen vermittelt bekommt, weil man nicht \u201ezum Club geh\u00f6rt\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Club der \u201eernsthaft\u201c Kranken. Also die, die \u201ewirklich\u201c eine Reha brauchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wen ich meine?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe diese Sorte Menschen \u201eHORST\u201c getauft. H-O-R-S-T ist kein Name. Es ist ein Sammelbegriff f\u00fcr all diese grantigen alten Leute, die mir vom allerersten Tag an so richtig auf die Nerven gehen. HORSTs sind Leute mit:<\/p>\n\n\n\n<p>Herzinfarkt&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fccksichtnahme,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstreflektion und&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Therapiebereitschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>H-O-R-S-T\u2018s geh\u00f6ren vorwiegend der Baby-Boomer-Generation an und sind entweder kurz vor, oder kurz nach den Eintritt in die Altersruhe urpl\u00f6tzlich aus den Latschen gekippt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, das allein ist kein Verbrechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was mich st\u00f6rt, ist die Einstellung, die die Horst\u2019s hier an den Tag legen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Leben lang haben sie nicht auf sich geachtet, nichts f\u00fcr die eigene Gesundheit getan, aber jetzt soll bitte alles so werden wie fr\u00fcher. Und zwar so, wie sie es f\u00fcr richtig erachten: Ohne Anstrengung mit Kuschelkurs. Gefordert werden viel Entspannung, viel Massage und noch viel mehr gutes Essen. Geleistet wird: Nichts. Ist ja so schon alles schwer genug, warum soll man sich dann noch verausgaben?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ursachen ihrer Erkrankung stellen die Horst\u2018s nicht in Frage. Im Gegenteil. Sie gl\u00e4nzen mit einem H\u00f6chstma\u00df an romantischer Verkl\u00e4rung ihrer eigenen Lebensweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahrelanges Kettenrauchen, t\u00e4glicher Verzehr von fettigen und gesalzenen Speisen sowie \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Alkohol- Fleisch- und Zuckerkonsum gepaart mit einem Minimum an Bewegung bei absoluter Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber s\u00e4mtlichen Alarmsignalen des K\u00f6rpers, die Vorbote einer schweren Erkrankung h\u00e4tten sein k\u00f6nnen &#8211; war doch alles normal und halb so wild. Schuld war einzig und allein die viele Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Um es auf den Punkt zu bringen: Horst\u2019s sind Menschen, die nicht begriffen haben, warum sie hier sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Horst\u2019s f\u00fchlen sich durch meine Anwesenheit gest\u00f6rt. Mein Enthusiasmus stresst sie, meine Motivation versaut die Norm. Statt sich mitrei\u00dfen zu lassen, gehen sie auf Konter.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Aussteigen aus Fahrst\u00fchlen werde ich durch prompt entgegenkommende Rollatoren wieder hineingedr\u00e4ngt. Am Buffet wird mir mit zittrigen H\u00e4nden eilig das letzte St\u00fcck Irgendwas weggeschnappt (ganz egal, ob es der Ern\u00e4hrungsplan erlaubt, oder nicht). Und beim Sport setzt es sofort bitterb\u00f6se Blicke, wenn ich zu viel Spa\u00df an Bewegung zeige, oder &#8211; Gott bewahre &#8211; zwischendurch l\u00fcfte!<\/p>\n\n\n\n<p>Angeblich gibt es heutzutage ja nur noch Memmen. Ich glaube, ich hab sie gefunden. Es sind die Horst\u2018s!<\/p>\n\n\n\n<p>Da w\u00e4ren die Schlappi-Horst\u2018s, die bei jeder kleinen Form von Anstrengung gleich die Gliedma\u00dfen auf die Matte plumpsen lassen und jammern, weil man tats\u00e4chlich auch mal aktiv werden muss, damit der K\u00f6rper Muskeln aufbaut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann die Mimosen-Horst\u2018s, die sich beschweren, dass das Schwimmbecken zu kalt ist, weil sie zuvor ewig hei\u00df geduscht haben (oder eben gar nicht &#8211; und sich dann beschweren, warum es so stark nach Chlor riecht).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch super nervig: Die St\u00f6renfried-Horst\u2019s, die beim Autogenen Training nicht auf\u2019s Mobiltelefon verzichten k\u00f6nnen und dann ewig brauchen, bis die Handy-Klapph\u00fclle ge\u00f6ffnet &#8211; und das nervt\u00f6tende Klingelton-Gequake weggedr\u00fcckt ist. Die St\u00f6renfried-Horst\u2019s sind auch jene, die super l\u00e4rmempfindlich auf eine Horde Sch\u00fcler am See reagieren, aber gleichzeitig bei voller Lautst\u00e4rke facetimen, w\u00e4hrend ich mein Buch lesen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht zu vergessen: Die Verweiger-Horst\u2018s &#8211; die gr\u00f6\u00dfte aller Horst-Gruppen &#8211; die beispielsweise beim Korbflechten verzweifeln, weil es nicht fertig bringen, drei F\u00e4den Peddigrohr ineinander zu kn\u00fcpfen. Die Ergotherapeutin um Hilfe zu bitten, w\u00e4re zu viel verlangt. Die Fraktion \u201eKann ich nicht, will ich nicht\u201c b\u00fcckt sich lieber n\u00f6rgelnd weg und hofft, dass der l\u00e4stige Termin vorbei gehen m\u00f6ge.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine Ausrede sind die Horst\u2019s nie verlegen, um blo\u00df nichts Unliebsames machen zu m\u00fcssen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gelenke, die Narbe, der graue Star. Sorry, da geht GAR NICHTS mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Horst\u2019s grundlegend etwas an ihrer Einstellung \u00e4ndern m\u00fcssen, verstehen sie nicht. Ihrer Meinung nach, soll man ihnen einfach irgendein Wundermittelchen geben, nicht zu viel \u201eGeschiss\u201c drum machen und sie ansonsten in Ruhe lassen. Vortr\u00e4ge werden geschw\u00e4nzt, Selbsthilfegruppen nicht besucht (denn da m\u00fcsste man ja auch mal andere Sichtweisen h\u00f6ren). Interesse an neuen Ans\u00e4tzen haben die Horst\u2019s nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFr\u00fcher gab es das nicht!\u201c und \u201eAch, das ist doch alles nur neumodischer Schei\u00df!\u201c h\u00f6rt man die Horst\u2018s grummeln, wenn Achtsamkeitstraining, Yoga und Akupunktur auf den Anwendungspl\u00e4nen stehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann lieber Tablette nehmen und den ganzen Tag Streichel-Massage. Das tut ja so gut!<\/p>\n\n\n\n<p>Reha, das ist doch dieser Urlaub f\u00fcr kranke Leute, die sich auf Kosten der Kassen mal ein wenig den Bauch pinseln lassen d\u00fcrfen, oder? Nein? Man bekommt glatt den Eindruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Nostalgie-Horst\u2019s Gesichter m\u00f6chte ich sehen, wenn Genossin Oberschwester morgen fr\u00fch zum Fahnenappell rufen und jeden einzelnen mal so richtig zur Sau machen w\u00fcrde, weil er das Klassenziel beim Korbflechten nicht erreicht hat. Das w\u00e4re dann wirklich so wie fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugegeben, auch ich genie\u00dfe die Zeit fernab von Arbeit, Haushalt und allen sonstigen Alltags-Verpflichtungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur sehe ich das Recht auf Gesundheit eben auch als Pflicht an. Ich mache prinzipiell alles mit (abgesehen vom Abendbrot um 17:30 Uhr) und sei es auch noch so unterfordernd. Schlie\u00dflich kommen mir bei stupiden Aufgaben die besten Ideen f\u00fcr diesen Blog. Das Gehirn braucht bekanntlich etwas Leerlauf, um Kreativit\u00e4t zu entwickeln. Also bastel ich weiter flei\u00dfig an meinem K\u00f6rbchen und fange im Gymnastikraum viel zu lasch zugeworfene B\u00e4lle auf. Hat schon alles seinen Sinn. Danach darf ich in wunderbarer Natur spazieren, schwimmen, joggen gehen. Jeden Tag ein bisschen mehr, ein bisschen weiter. Abschlie\u00dfend Yoga am See. Himmlisch. So habe ich mir das vorgestellt. K\u00f6rperliche und geistige Ressourcen finden, Leistung zur\u00fcckgewinnen und vor allem: Methoden erlernen, die mir Alltag helfen, mit meiner Erkrankung umzugehen. Das ist mein Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so nehme ich auf dem Bootssteg die Gestalt eines zusammengeklappten Gartenstuhls an und atme tief in mich hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch w\u00e4hrend ich meine Asanas aus\u00fcbe, erbeben pl\u00f6tzlich die Holzbohlen unter meiner Matte. Das Rollatoren-Geschwader scheppert den Anleger entlang. Es ist kurz vor 17:00 Uhr. Abendbrotzeit. Es wird lamentiert \u00fcber die zu laschen Mahlzeiten (weil tonnenweise Salz und Fett fehlen), die b\u00f6sen Politiker \u201eda oben\u201c und den Akzent der Assistenz\u00e4rzte. Alles schrecklich, ist klar. Aber jetzt wird erst mal gegessen. Und zwar p\u00fcnktlich. Sonst entsteht noch der Eindruck, man nehme den Klinikalltag nicht ernst genug. Wie vorbildlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Tisch br\u00fcsten sich die Horst\u2019s mit den von Ihnen verursachten Rettungseins\u00e4tzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Notarzt, Hubschrauber und 12-Stunden-OP\u2018s. Wer bietet mehr? Als w\u00e4re das hier ein Wettbewerb.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Je krasser die Krankengeschichte ausf\u00e4llt, desto mehr hat man einen Grund, sich h\u00e4ngen zu lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arbeit von \u00c4rzten, Schwestern, Trainern und Therapeuten &#8211; einfach gesagt &#8211; die M\u00fchen von JEDEM, der an ihrer Gesundheit mitwirkt, negieren die Horst\u2018s durch ihre Beratungsresistenz, verlangen aber stets Respekt f\u00fcr das, was sie selbst einst geleistet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich merke, wie diese \u201eHelden der Arbeit\u201c erwarten, dass sich alle ein Beispiel an ihnen nehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nur nicht als Mahnung. Sondern leider als Ma\u00dfstab.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Generation \u201eniemals krank gewesen\u201c kann ja so ignorant sein!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen weil \u201eGesundheit\u201c mehr bedeutet, als die Abwesenheit von \u00e4u\u00dferen Gebrechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum anderen weil die J\u00fcngeren jetzt vor der Herausforderung stehen, ein Gesundheits- und Pflegesystem aufrecht zu erhalten, auf dessen Kosten die Horst\u2018s jetzt ihre Wunden lecken und das ihnen aufgrund ihrer schlechten Verfassung nun eine Fr\u00fchrente erm\u00f6glichen muss. Ein System, in das ich nicht nur monet\u00e4r einwirke, sondern auch unmittelbar durch meinen Beruf &#8211; welchen ich voraussichtlich l\u00e4nger als jeder Patient dieser Klinik aus\u00fcben muss, damit der Generationenvertrag aufgeht. Es ist nicht zuletzt deswegen meine Verantwortung, pr\u00e4ventiv zu handeln, damit ich der Rentenkasse auch so lange wie m\u00f6glich als Beitragszahler erhalten bleibe.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind \u201eSchuften bis zum Umfallen\u201c und der damit einhergehende Verlust meiner gesamten k\u00f6rperlichen und geistigen Leistungsf\u00e4higkeit nicht hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Erkenntnis nach drei Wochen Reha:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt kein Recht auf Krankheit. Aber eins auf Gesundheit. Und das gilt f\u00fcr alle, egal welchen Alters man ist oder welche gesellschaftliche Stellung man inne hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder darf gut zu sich sein. Achtsamkeit und Eigenverantwortung sind kein Egoismus. Sie sind unbedingt notwendig, um ein langes, selbstbestimmtes Leben zu f\u00fchren. Damit schaden wir ganz sicher niemanden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnschte, die Horst\u2019s w\u00fcrden erkennen, dass sie mehr sind, als eine ausgediente Arbeitskraft. Ich w\u00fcnschte, die Horst\u2018s w\u00fcrden etwas finden, was ihr Leben ausf\u00fcllt ohne ihnen ein Gef\u00fchl von Pflicht zu geben. Irgendetwas, was sie gern tun, oder wenigstens etwas, f\u00fcr das sie auf sich aufpassen wollen. Vielleicht ein G\u00e4rtchen, ein Haustier oder doch ein kreatives Hobby?<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sagt denn, dass \u201cauf Arbeit gehen\u201c die einzig akzeptable Art ist, seinem Leben Struktur zu geben? Statt eine Einteilung in Arbeitszeit und Feierabend schlage ich eine Unterteilung in Kreativzeit, Bewegungszeit, Kochzeit, Familienzeit und Entspannungszeit vor. Damit hat man alles, was wirklich z\u00e4hlt erledigt. Auch ohne Stechuhr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schlie\u00dfe diesen Beitrag mit einem Zitat von Pablo Picasso. Ich habe es an der T\u00fcr zur Kreativ-Werkstatt gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAls Kind ist jeder ein K\u00fcnstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.\u201c&nbsp;<\/p>\n<div style=\"padding-bottom:10px; padding-top:0px;\" class=\"hupso-share-buttons\"><!-- Hupso Share Buttons - https:\/\/www.hupso.com\/share\/ --><a class=\"hupso_counters\" href=\"https:\/\/www.hupso.com\/share\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/buttons\/dot.png\" style=\"border:0px; padding-top:2px; float:left;\" alt=\"Share Button\"\/><\/a><script type=\"text\/javascript\">var hupso_services_c=new Array(\"twitter\",\"facebook_like\",\"facebook_send\",\"google\",\"pinterest\");var hupso_counters_lang = \"de_DE\";var hupso_image_folder_url = \"\";var hupso_url_c=\"\";var hupso_title_c=\"Recht%20auf%20Krankheit%20-%20%20Oder%3A%20Horst%20hat%20keine%20Lust\";<\/script><script type=\"text\/javascript\" src=\"https:\/\/static.hupso.com\/share\/js\/counters.js\"><\/script><!-- Hupso Share Buttons --><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>f\u00fcr Dr. A. Roznowski, Dr. M. 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